Erhöhte Sprit- und Heizölpreise Irankrieg treibt Inflation laut Bundesbank in Richtung drei Prozent

2026-03-27     https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/irankrieg-treibt-inflation-laut-bundesbank-in-richtung-drei-prozent-a-c342895e-68f8-450d-ae46-a27bf59c9ff5 HaiPress

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Zentrale der Bundesbank in Frankfurt am Main

Foto: Florian Gaul / imagebroker / IMAGO

Die Bundesbank erwartet wegen des Irankriegs einen Inflationsschub in Deutschland und einen spürbaren Dämpfer für die Konjunktur – schlimmstenfalls bis in die zweite Jahreshälfte hinein. Die Inflationsrate werde in den kommenden Monaten deutlich steigen,schreibt die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht und verweist auf die hochgeschnellten Sprit- und Heizölpreise wegen der Kämpfe im Nahen Osten. »Infolgedessen dürfte die Inflationsrate in nächster Zeit deutlich in Richtung drei Prozent ansteigen.«

Die weitere Entwicklung hänge maßgeblich vom Verlauf des Kriegs ab,so die Bundesbank. Eine lang anhaltende Sperrung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr könne die Energieversorgung belasten und die Inflationsrate über einen längeren Zeitraum deutlich erhöhen. Im Februar lag die Teuerungsrate in Deutschland bei 1,9 Prozent.

Auch für die erwartete Erholung der deutschen Wirtschaft habe der Irankrieg ernste Folgen,schreibt die Bundesbank. Haushalte und Unternehmen würden belastet,besonders über teurere Energie.

Ohne Schwung ins Jahr

Die Wirtschaft ist der Bundesbank zufolge ohne Schwung ins Jahr gestartet. »Die deutsche Wirtschaftsleistung wird wohl im ersten Quartal 2026 auf der Stelle treten«,heißt es im Monatsbericht weiter. Nach dem ‌Wachstum von 0,3 Prozent im Schlussvierteljahr 2025 dürfte das Bruttoinlandsprodukt von Januar ​bis März lediglich ‌stagnieren.

Die Bundesbank warnt: »Sollte sich der Konflikt noch in das zweite Quartal hineinziehen,dürfte von damit einhergehender hoher Unsicherheit und einer schwächeren Weltwirtschaft zusätzlicher Gegenwind kommen.« Auch längere Folgen schließt sie nicht aus: Für die Aussichten ab der zweiten Jahreshälfte werde es maßgeblich darauf ankommen,»wie lange der Konflikt anhält und in welchem Umfang das globale Energieangebot beeinträchtigt wird«.

»Nach wie vor ist die Kapazitätsauslastung in der Industrie gering,was die privaten Investitionen dämpft«,begründet die Bundesbank ihre vorsichtige Prognose. »Aufgrund ihrer schwachen Wettbewerbsposition kann die deutsche Industrie nur begrenzt vom wachsenden Welthandel profitieren.« Die milliardenschweren Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur ‌dürften erst im späteren Verlauf des Jahres für spürbaren Auftrieb sorgen. So werde es eine Zeit dauern,bis diese Aufträge die Produktion merklich steigern.

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Von Claus Hecking und Klaas Neumann

Die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung,OECD,warnte am Donnerstag,dass ein fast vollständiger Stillstand der Energielieferungen durch die Straße von Hormus die Inflation drastisch in die Höhe treiben könnte. Die Weltwirtschaft habe vor Ausbruch des Kriegs in Iran auf einem Kurs für ein stärkeres Wachstum als erwartet gelegen,doch diese Aussicht sei nun so gut wie verschwunden. Die OECD schätze die Gesamtinflation in den USA nun für 2026 auf 4,2 Prozent,was einem Anstieg um 1,2 Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Prognose entspricht.

Verpufft die Konjunkturerholung?

Erst am Mittwoch hatte das Ifo-Institut gewarnt,der Krieg in Iran »beende vorerst die Hoffnung auf einen Aufschwung«. Die Kämpfe trüben die Stimmung bei Unternehmen,wie der gesunkene Ifo-Index für März zeigte.

Eigentlich sollte die deutsche Wirtschaft dank staatlicher Milliardenausgaben für Infrastruktur und Verteidigung 2026 wieder um rund ein Prozent wachsen,nachdem sie 2025 mit einem Miniwachstum nur knapp am dritten Rezessionsjahr in Folge vorbeigeschrammt war. Doch mit dem Irankrieg haben Ökonomen ihre Prognosen gesenkt.

kim/dpa/Reuters

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